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Im Süden der Ukraine, im Donetzbecken, liegt die Stadt Donetzk. Sie ist eine der wichtigeren Regionshauptstädte der Ukraine wegen der vielen Kohlenminen, die sich in diesem Gebiet befinden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zogen viele Männer verschiedener Nationalitäten in dieses Gebiet, um in der Steinkohlegewinnung ihr Brot zu verdienen. Unter ihnen waren u.a. Tataren, Georgier, aber auch viele Bauern aus den armen Landbaugebieten von Russland. Die Sprache, die all diese Menschen von verschiedener ethnischer Herkunft mehr oder weniger beherrschten, war russisch. So entstand in den Städten, die sich rund um die Kohlenminen bildeten, ein Schmelztiegel von Nationalitäten, welche russisch als gemeinsame Sprache hatten. In den benachbarten landwirtschaftlichen Dörfern wurde ausschließlich ukrainisch gesprochen.
Donetzk besitzt als Hauptstadt der Region u.a. ein eigenes Symphonieorchester, eine Oper, ein Ballett, ein professionelles Volkstanzensemble usw. Aber auch die Pflege der Amateurkunst ist nennenswert. So hat sich in Donetzk auch dieses Folklore-Ensemble Ozorniye Naigrishi etabliert. Der Name des Ensembles ist russisch und bedeutet wörtlich 'schelmische Weisen'. In Deutschland ist dieses Ensemble schon seit Jahren unter dem Namen "Die fröhlichen Spielleute" bekannt, den man ursprünglich als freie Übersetzung einführte. 1983 wurde dieses Ensemble gegründet. Das war noch in der Periode, als der Sowjetstaat die Amateurkunstpflege stimulierte und mit Subventionen unterstützte. Der Gründer von Ozorniye Naigrishi war ein Musikdozent der Kusmitschjenko-Musikschule. Die Musikdozenten und Studenten dieser Musikschule bilden seit der Gründung die ausführende Besetzung des Ensembles. Bereits in den ersten Jahren ihrer Existenz erntete dieses Ensemble Erfolg, gab viele Konzerte und nahm auch an regionalen und nationalen Festivals teil.
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Seit 1989 ist die künstlerische Leitung von Ozorniye Naigrishi in den
Händen von Wladimir Sett. Er gehört zu den leitenden Dozenten der
Kusmitschjenko-Musikschule. Unter seiner künstlerischen Leitung hat sich
das Ensemble zu einer der tonangebendsten und populärsten Folkloregruppe
der Ukraine entwickelt. Die heutigen Leiter von Amateur-Folkloreensembles
sowie Choreographen erhielten ihre Ausbildung und machten Karriere in einer
Zeit, als der Sowjet-Stil, Nationalstolz, Loblieder auf die Partei sowie auf
das Sowjet-System ein absolutes Muss waren. Obwohl die Sowjetunion bereits
Vergangenheit ist, sieht man auf den Bühnen im In- und Ausland noch immer
diesen typischen Sowjetstil. Es ist klar, dass ein Leiter eines Ensembles
Kenntnisse von Volksmusik und Gesang haben muss, jedoch auch einen gutentwickelten
Geschmack und eine gehörige Portion an Kreativität. Wladimir Sett
verfügt über diese Qualitäten und das bewirkt, dass sein Ensemble
sich auch deutlich von vielen jener heutigen Ensembles unterscheidet, die
noch immer ein Sowjet-Modell in ihren Ausführungen zeigen.
Obwohl das Ensemble Ozorniye Naigrishi
in der Ukraine lebt, führt es einen russischen Namen und keinen ukrainischen.
Im Donetzk-Gebiet wird man in den Städten die Menschen überwiegend
russisch sprechen hören. Doch das schließt nicht aus, dass die
nicht-ukrainischen Bewohner sehr viel von den ukrainischen Liedern halten.
Das Repertoire von Ozorniye Naigrishi umfasst so auch traditionelle und komponierte
Volkslieder der Ukraine und Russland. Donbass – der Landstrich, in dem
Donetzk liegt – grenzt an Russland, insbesondere das Heimatgebiet von
verschiedenen Kosakkengruppen. Sowohl Russen als auch Ukrainer sind verrückt
nach Liedern der Kosakken. Darum machen Lieder und Tänze der Kosakken
auch einen wichtigen Teil des Repertoires dieses Ensembles aus.
Einige Angaben über das Ensemble:
1983: Gründung von Ozorniye Naigrishi.
1986: Auszeichnung mit dem ersten Preis des Fernsehwettbewerbs "Sonjatschni
Klarneti".
Der Titel "Volks-Ensemble" wurde verliehen.
1993: Mitwirkung beim internationalen Folklorefestival "Berehinja"
in der Stadt Lutsk (Ukr.).
1995: Mitwirkung am Festival "Slawische Tage" in der Stadt Krasnodar
(Russland).
Zwischen 1985 und 1996: Tourneen durch die gesamte Ukraine im Rahmen von "Molodj
Ukraine" (Jugend der Ukraine).
1987, 1996, 1997, 1998, 2000 und 2001: Konzerte in Bochum – der deutschen
Partnerstadt von Donetzk – und vielen anderen Städten in Deutschland,
auf der Expo in Hannover und auf vielen Bühnen in den Niederlanden.
1998 und 1999: Tourneen nach Zypern.
1999: Als repräsentatives Ensemble von der Stadt Donetzk nach Kiew geschickt,
um eine Reihe von Konzerten zu geben.
Erster Sieger beim Festival "Ukrainische Präsentation des Volksschaffens".
1999 und 2000: Diplom beim nationalen Festival "Chorowod Druschbi"
und "Mega Jurti".
2001: Erster Sieger beim Festival zur 10-Jahresfeier der ukrainischen Unabhängigkeit.
2002 u. 2003: Tourneen in den Niederlanden und Deutschland.
2004: Tournee nach Finnland. Mitarbeit am Kilhaus Folk Festival.
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